The Object war 2012 das Thema des 1. Internationalen Glaspreises des GlazenHuis im belgischen Lommel – das Objekt, seine Identität und Eigenschaften wie Schönheit und Qualität. Aber was passiert auf dem Weg von der Idee zur Realität? Welchen Weg beschreitet der Künstler, die Künstlerin – bewusst oder unbewusst? -, um am Ende mit einem fertigen Werk an die Öffentlichkeit treten zu können? Ist da zuerst der schöpferische Prozess (creative process), dem der Schöpfungsprozess (creation process) nachfolgt? Oder laufen beide parallel und beeinflussen sich gegenseitig? Was löst den schöpferischen Prozess aus, der dann in den Schöpfungsprozess, in den Prozess des Machens mündet? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der 2. Internationale Glaspreis 2015. Leitmotiv: The Process.

Karen Vermeren (BE) Svinafellsjökull in the GlazenHuis 2015, glass, Acryl paint, dimensions in situ, photo: Kristof Vrancken Winner Money prize

Karen Vermeren (BE) Svinafellsjökull in the GlazenHuis 2015, glass, Acryl paint, dimensions in situ, photo: Kristof Vrancken
Winner Money prize

345 Künstler aus 45 Ländern folgten der Ausschreibung. Unter mehr als 750 Einreichungen wählte die Jury 61 Werke von 51 Künstlern aus 13 verschiedenen Ländern aus, ein spannendes Crossover von Kunst, Design und Handwerk. Neben reinen Glasobjekten gibt es Plastiken aus Materialmix, malerische und graphische Arbeiten, Fotoprints, Videos und Performances, Lichtinstallationen und großformatige Skulpturen. Sie lassen erahnen, wohin die Reise mit Glas gehen könnte und spiegeln die Philosophie des GlazenHuis wider, das Medium in seiner Gesamtheit zu würdigen: Glas als Gebrauchsgegenstand und Designerstück. Glas in Vergangenheit und Zukunft, Glas in der zeitgenössischen Kunst.

J Gussek, Stalingrad 02 (K Vrancken)

Jens Gussek (Germany): Stalingrad, 2015, glass mosaic, 51 x 194 x 4 cm, photo: Jens Gussek, photo: Kristof Vrancken, Winner Money Prize

Der Internationale Glaspreis geht auf eine Initiative der Charlotte van der Seijs-Stiftung zurück. Die 2007 verstorbenen Mäzenin wollte Künstlern, gleich welchen Alters und egal ob Studenten oder erfahrene Kunstschaffende, mit dem Preisgeld von insgesamt 12.000 Euro ein freieres Arbeiten ermöglichen. Das Geld wird unter maximal drei Gewinnern aufgeteilt, zusätzlich werden zwei Gastkünstleraufenthalte in den Ateliers des GlazenHuis vergeben und die Kosten für den Transport der ausgewählten Arbeiten übernommen.

Matthew C. Szösz (USA): Ampere's Law

Matthew C. Szösz (USA): Ampere’s Law

Es ist ein spannender und mitunter auch langer Prozess vom ersten schöpferischen Einfall über die zur Planung bis zur Realisierung. Jede einzelne dieser Gedankenreisen ist eine Reise in die Zukunft von Glas. Aber, bekennt Jeroen Maes, künstlerischer Leiter des GlazenHuis, wohin die Entwicklung gehen wird, könne er unmöglich vorhersagen.

 

Petra Reategui, Journalistin und Autorin, Köln


Klara Horácková: Mirror 2013, mirrors, Aluminium, electric device, 260 x 510 x 240 cm, photo: Jan Kudej & Klara Horackova